
Als eifriger Konzertgänger konnte ich es auch am Wochenende wieder erleben: Konzerte sind nicht mehr das was sie mal waren. Auch hier hat seit einigen Jahren die moderne Kommunikation Einzug gehalten. Diesmal konnte ich unsere „
zwitschernde“ und „
Gesichtsbuch“-schreibende Gesellschaft von oben, aus dem Rang, beobachten.
Mit dem ersten Ton der Band schnellten zunächst bei gefühlten 50% aller Besucher die Handys in die Höhe. Besucher im Innenraum konnten so das Konzert auf hunderten kleinen Monitoren „genießen“, der direkte Blick auf die Bühne blieb versperrt. Dann das: Meine Sitznachbarn und ich haben uns bei Beginn des Konzerts, wie es sich gehört, von unseren Plätzen erhoben. Plötzlich tippt uns jemand von hinten an und fragte – mit einer Videokamera in der Hand – nicht gerade freundlich, ob wir uns nicht wieder setzen könnten. Was soll das denn? Kann man nicht einfach das Konzert genießen und sich bei Bedarf nach der Tour einen offiziellen Videomitschnitt davon käuflich zulegen? DVD’s nehmen inzwischen fast alle Bands auf. Ein kleiner Schnappschuss oder eine kurze Videosequenz ist ja ok, aber nur zum Konzert zu gehen um danach den ganzen Auftritt „im Kasten" zu haben? Das verschließt sich meinem Verstand. Aber das war noch nicht alles. In der Reihe vor mir teilte jemand im Minutentakt der Internetgemeinschaft das aktuelle Geschehen über sein Smartphone mit – Setlist, Stimmung, Zwischenfälle. Wahrscheinlich war auch eine Meldung, dass die Stimmung größtenteils fantastisch sei, nur in seinem Block gäbe es einige die einfach nur regungslos dasitzen. Was er dabei sicher verschwieg war, dass auch er zu den Stimmungskillern gehörte.
Jaja, die moderne Kommunikationsgesellschaft – Fluch und Segen zugleich. Ich gebe ja zu, dass auch ich mir gern bei youtube Ausschnitte von Konzerten meiner Lieblingsbands anschaue oder Liveberichte in Foren verfolge. Irgendwie ist es ein Zwiespalt. Aber früher ging es ja auch. Und daher würde ich auch häufig mal wieder ein Konzert so ganz „oldschoolig“ erleben. Man kann sich ja trotzdem danach in Foren darüber austauschen, denn Worte sagen manchmal doch mehr als Bilder.
Wie moderne Kommunikation im Dialogmarketing aussehen kann und ob diese nur noch auf digitalen Wegen stattfinden sollte, ist die Frage in unserer ersten diesjährigen
[dialog:werkstatt] am 19. März. Anmeldungen sind über unsere
Homepage möglich.